Chris Art & Travel


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Zimbabwe

Reiseerzählung




Eine Reise durch Zimbabwe in den neunziger Jahren


Das sanfte rot der Erde glänzt in der herbstlichen Morgensonne, der Himmel ist klar und strahlend blau. Die kräftigen Stämme und dünnen Äste der Baobab-Bäume entlang der Straße, sind die ersten Anzeichen der Grenze näher zu kommen. Es dauert jedoch noch mehr als eine Stunde, bis wir die langwierigen Grenzformalitäten, wie das Ausfüllen endloser Formulare und die Überprüfung der Motor- und Fahrgestellnummer, erledigt haben. Erst dann beginnt unsere Reise durch Simbabwe.

Die einfache zweispurige Straße ohne befestigten Seitenstreifen, wird sofort merklich schlechter und häufiger Viehwechsel, den wir zu Beginn unterschätzen, zwingt uns zu einer verlangsamten Fahrt. Der Weg führt uns über wenig befahrene Straßen durch eine dünnbesiedelte weite Landschaft, die nur mit lichtem Buschwerk bewachsen ist. Über den kleinen Ort Masvingo geht es weiter bis wir am Abend Harare erreichen.

Die Hauptstadt Simbabwes wirkt auf den ersten Blick ärmlich. Die politische Ordnung des Landes ist überall allgegenwärtig, obwohl viele große renommierte Hotelketten auch hier ihre goldenen gläsernen Hotelpaläste zwischen ärmlichster renovierungsbedürftiger Häuser errichtet haben. Man hatte uns vor Beginn der Reise vor allem auf den Mangel an technischen Geräten hingewiesen, sogar einen zweiten Ersatzreifen sollten wir mitnehmen. Alles rund ums Auto ist in Simbabwe sehr teuer, oder gar nicht erhältlich. Die Auswirkungen sehen wir vor uns auf den regen Straßen. Die meisten Fahrzeuge, die an den niedrigen schwarzweiß gestreiften Ampeln neben uns halten, sind älter als 10 Jahre. Es begegnen uns auch einige echte Raritäten, wie einige Morris aus den Fünfziger Jahren. Überwiegend sehen wir alte französische und englische Autos und ebenso alte Fahrräder und Mopeds. Einige Renault 4 dienen noch immer als Taxis.

Vieles erscheint von den großen sozialen Unterschieden geprägt. An der einen Ecke stehen Wellblechhütten, nur einige Kilometer weiter eine partiell angelegte Einzelhaussiedlung. Wenige Straßen weiter eine Villengegend, deren äußeren Begrenzungsmauern keinen Blick auf das künstlich fruchtbar gehaltene Anwesen erlauben, und ein eigener Wachposten 24 Stunden am Tag seine Runden dreht.

Es ist bereits sehr spät als wir das Haus erreichen. Die Familie hat mit dem Essen auf uns gewartet und es fällt schwer erste Eindrücke zu formulieren. So essen wir und sprechen über die Familie. Am nächsten Morgen gibt es ein deftiges englisches Frühstück, mit allem was dazugehört. Lediglich den Porridge lehnen wir dankend ab. Danach machen wir einen Ausflug in den Chapungu Sculpture Park. Eine open-air Galerie mit Verkaufsraum, ein wahres Paradies für Kunst und Naturliebhaber. Die Skulpturen scheinen wahllos auf dem Grün platziert. Wir blicken in graue, braune und schwarze, steinerne, glänzend polierte Gesichter. Einige stehen auf Podesten, größere einfach auf dem Rasen. Gerade die eher modern wirkende ‘Shona Art’ gefällt uns sehr. Die Geradlinigkeit und Ausdrucksstärke dieser Kunst ist unverwechselbar. Andere Arbeiten sind sehr detailliert. So stehen Hunderte von Skulpturen zwischen Palmen und Laubbäumen bis hin zum See, an deren Ufer ein kleines Lokal zur Einkehr einlädt. Etwas abseits unter einigen schattigen Bäumen stehen einige Bildhauer bei der Arbeit. Nur mit einem einfachen T-Shirt und einer alten Shorts bekleidet stehen diese in Simbabwe besonders angesehenen Künstler an betagten grauen Holztischen, die als Arbeitsplatten dienen. Mit einem stählernen Hammer und einem Meißel wird hier aus Phantasie und Erinnerung, aus matten unscheinbaren Felsbrocken, in mühevoller Kleinarbeit, grandiose Kunst geschaffen. Teil des Parks ist ein kleines rekonstruierten Shona Dorf. Am späten Nachmittag versuchen wir der Geschichte des Landes ein wenig näher zu kommen und lassen uns von einem N’anga (Heiler) durch das Dorf führen und die Traditionen der Shona erzählen.

Zurück im Haus werden uns auf der Veranda ‘Scones and Tea’ serviert. Es fällt schwer sich in dem großen Haus heimisch zu fühlen. Vor allem der Anblick des beträchtlichen, fast tropischen, sehr gut gepflegten Gartens irritiert mich. Diese Villa mit ihrem großen Pool und Tennisplatz hätte in jedem Industrieland stehen können, aber hier in der dritten Welt?

Am nächsten Tag machen wir einen Ausflug an den Lake Chivero, (eh. Mcllwaine). Die Speisekarte in der kleinen im Kolonialstil eingerichteten Hotelpension, ist wie die meisten Speisekarten des Landes. Sie verteilt sich auf zwei DIN A5 Seiten und verliert sich in einer ramponierten knallroten Coca-Cola Plastikhülle. Wir wählen eine Gemüsesuppe und ein Eis mit Erdbeeren. Mit einem höflichen Lächeln wird uns wenig später eine Tütensuppe von Knorr und ein wässriges, rosa gefärbtes Erdbeereis serviert. Der Blick hinunter auf den See und an das verlassene Ufer, an dem vereinzelt Eukalyptusbäume stehen, entschädigt uns für den eher dürftigen Imbiss. Ein Lionpark befindet sich in der Nähe und wir entschließen uns einen ersten Hauch von Wildnis, wenn auch nur in einem Gehege zu erleben. Neben einigen Alligatoren, einem müden Cheetah und einem hin und her stapfenden wunderschönen Tiger, sieht uns vor allem ein verstaubtes ‘Warthog’ (Warzenschwein) aufmerksam an, den Kopf und Schwanz aufrecht, die kleinen nach innen gebogenen Hörner zum Kampf bereit. Ein paar Meter weiter wird eine uralte Riesenschildkröte von einem kleinen Kind als Reittier missbraucht. Einige Grashalme hängen schlaff aus ihrem Maul. Mehrere Löwendamen rekeln sich passiv im Schatten, die Hinterbeine nach vorn gestreckt, müde und faul.

Drei Tage später, nachdem wir auch die üblichen Attraktionen gesehen haben (auf die ich hier nicht näher eingehen möchte), machen wir uns endlich auf den Weg ins ursprüngliche Simbabwe. Die Fahrt geht zuerst in Richtung Karoi. Die Wegbeschreibung die man uns mitgegeben hat, scheint einfach und lautet: 20 km vor Karoi links, dann die zweite rechts, dann nochmals links. Die erste Abzweigung führt uns bereits auf eine durch die vielen Regenfälle mit tiefen Furchen korrudierte Schotterstraße, die deutlich macht, warum die meisten Farmer in dieser Gegend eine große deutsche Limousine fahren. Wir erreichen mit unserem Kleinwagen eine maximale Geschwindigkeit von 30 km/h und nach 20 km fällt uns der Auspuff ab. Erneut kreuzen Kühe, ‘Mombies’ wie die Einheimischen sie nennen, unseren Weg. Zunächst haben wir die Befürchtung uns verfahren zu haben, doch nach 50 km erreichen wir endlich die Tabakfarm, eine wahre Oase in der Wüste. Das Flachdach-Haus ist unverputzt in Naturstein gehalten. Der Garten mit seinen tropischen Pflanzen wirkt geradezu idyllisch. In dieser bezaubernden Oase hat die Hausherrin wahre Wunder vollbracht. An einem kleinen Teich steht eine uralte Dattelpalme, rechts daneben ein Beet mit prächtigen gelben und roten Gladiolen, unweit davon blüht eine Hibiskushecke in leuchtendem rot und einige Schritte weiter entdecke ich ein strahlendes Meer von Weihnachtssternen.

Die weitläufigen Tabakfelder umrahmen diese stille Oase in der Provinz Karoi. In einer Art Gewächshaus züchtet Andrew, der Hausherr, Proteen. Er war der Erste, der es wagte in dieser heißen, trockenen Umgebung Proteen zu züchten. Pflanzen die eigentlich nur wild, im milden Klima der Kapprovinz gedeihen. Tausende von Setzlingen stehen in kleinen schwarzen Töpfen in einem einfachen Gewächshaus. Stolz erzählt er uns von seinen Erfolgen. Andrew und Shearls Kinder sind längst aus dem Haus, so leben die beiden allein auf der Farm, weit ab vom städtischen Trubel. Durch die Devisenbeschränkung des Landes ist es Ihnen fast unmöglich geworden das Land zu verlassen. Im Haus teilen drei Bedienstete das Leben mit Ihnen. Wie in den alten kolonialen Tagen Rhodesiens sind der Koch, das Hausmädchen und der Fahrer auch heute noch bei Ihnen beschäftigt, trotz der politischen Wende sind sie geblieben. Und so begegnet einem in jedem Winkel des Hauses Geschichtsträchtiges und ein Hauch von kolonialem Leben. Andrew lädt uns ein mit ihm auf dem Lake Kariba ‘tiger fishing’ zu gehen und wir nehmen dankend an.

Einige Tage später machen wir uns auf den Weg zum Lake Kariba. Shearl und Andrews Haus am See wurde von der Regierung konfisziert, so bleibt auch ihm nur das schlichte Fischercamp am See. Die Behausungen sind einfach, es sind rechteckige, rötliche Häuser mit einer kleinen Veranda. Das Camp erfreut sich trotz Einfachheit großer Nachfrage, so ist nur eine Hütte frei. Im Raum selbst stehen nur zwei alte Stahlrohrbetten und darüber hängt für jedes Bett ein Moskitonetz. Am abendlichen Feuer sprühen wir uns mit ‘Peaceful Sleep’ ein und bilden so für die Vielzahl der Mücken kein Angriffsziel mehr. Andrew erzählt uns Geschichten über das Camp und das hiesige Flusspferd, welches regelmäßig durch das Camp stapft. Wir sind erschrocken zu hören, dass mehr Menschen von Flusspferden getötet werden, als von Krokodilen. Als es Zeit zum Schlafen ist, überlässt Andrew uns das Zimmer und lässt sich vom Koch, den er wie auch den Fahrer mitgebracht hat, ein Bett auf der einfachen Veranda richten. Ein für das Moskitonetz vorgesehener Haken an der Decke weist daraufhin, dass auch andere an der frischen Luft genächtigt haben.

Kurz vor Sonnenaufgang brechen wir auf. Der Fahrer hat bereits das Boot hergerichtet und so sind wir wenig später auf dem im violetten Morgengrauen, mystisch anmutenden Karibasee. Der Stausee ist fast 200 km lang und bis zu 30 km breit, eine ganzjährige paradiesische Wasserquelle für Tiere und Vögel, und Spielplatz für Wasserfreunde. Unsere Tour beginnt nahe dem Matusadona Nat.- Park

Ein elektronischer ‘Fishfinder’ verrät uns wo die Fische sind. Nur selten bleiben wir lange an einer Stelle, Andrew entpuppt sich als ein recht ungeduldiger Angler. Ich genieße vielmehr das rege Treiben entlang des Sees. Hunderte von Wasserbüffel weiden in der Nähe des Ufers. Einige Zeit später erscheinen auch drei Elefanten. Das Thermometer erreicht im Schatten fast vierzig Grad. Immer wieder fahren wir hin und her, das Gras bewachsene Ufer liegt weit ausgestreckt und flach vor uns, am Horizont erspähen wir im Dunst eine Gebirgskette. Wieder umfahren wir eine Insel und Andrew erzählt uns, das selbst Elefanten auf diese Insel, ‘the fothergill island’ hinüberschwimmen. Wir sehen unzählige von Wasservögeln und sogar ein Flusspferd und gegen Mittag wagen wir es, trotz der vielen Krokodile in der Mitte des Sees kurz ins Wasser zu tauchen, um uns ein wenig zu erfrischen. Der Sonnenuntergang am Abend ist geradezu atemberaubend. Das rötliche Licht glänzt auf der Weite des Dammes. Nur die bizarr aus dem Wasser ragenden Spitzen der verdorrten Bäume verraten, das hier einmal Land war, welches dem Staudamm weichen musste.

Am Abend setzen wir uns wieder vor die Hütte und warten auf das Abendessen. Enttäuscht blicke ich auf die frisch gebratenen Steaks, die der Koch auf seinem Tablett serviert. Wo war der Fisch geblieben, den wir den ganzen Tag über gefangen hatten? Andrew sah die Verwunderung und Enttäuschung in meinen Augen und sagte, der ‘Tigerfish’ hat viel zu viele Gräten, man isst ihn nicht. Trotz dieser Erklärung wich meine Enttäuschung nur langsam, und so wollte mir das Steak nicht so recht schmecken. Zum ersten mal hatte ich geangelt, zum ersten mal in meinem Leben einen Fisch gefangen. Ich war ums Boot gelaufen und hatte gekämpft. Es gab sogar einen Koch der ihn für mich zubereite und ..., der ihn auch gemeinsam mit dem Fahrer auch isst. Wir verbringen einen weiteren wunderschönen Tag auf dem Wasser, dann verabschieden wir uns von Andrew der zurück zu seiner Farm muss.

Nicht einmal eine Stunde vom Fishercamp entfernt beziehen wir Quartier in einem netten Hotel am See. Der Ort Kariba entpuppt sich als enttäuschend. Der Versuch im hiesigen Lebensmittelladen einzukaufen wird von leeren Regale und einem entsetzlicher Geruch von altem Fleisch und schlecht gewordenen Milchprodukten vereitelt. Wir begnügen uns damit nur noch in unserem Hotel zu essen. Das 2*Hotel liegt malerisch, terrassenförmig angelegt auf einer Landzunge direkt am See. Es hört auf den typisch britischen Namen ‘Cutty Sark’. Die Gartenanlage ist sehr gepflegt und steht in voller Blütenpracht. Für einige Tage schwelgen wir in einwenig Luxus, schwimmen im rechteckigen Pool, dessen Boden natursteinbelassen ein wenig Hauch von Abenteuer erhält und dösen bei 40 Grad im Schatten im Liegestuhl, wobei uns ein Strohdach auf Stelzen ein wenig Schatten bietet. Nur wenige Meter unterhalb des Pools liegt der Tennisplatz von dem man sich erzählt, dass es schon häufiger vorgekommen ist, dass Elefanten den Platz gestürmt haben. In der Hoffnung auch einmal die Begegnung eines Elefanten zu machen, spielen wir jeden Abend unter Flutlicht Tennis, doch ein Anblick der grauen Dickhäuter bleibt uns versagt. Die Einrichtung der in Reihenbungalows untergebrachten Apartments ist für hiesigen Standard als luxuriös zu bezeichnen. Die Klimaanlage funktioniert nur leidlich und so ist man sich stets gewahr in Afrika zu sein. Das in dem Baum vor dem Apartment lebende Eichhörnchen scheint unsere Gesellschaft zu genießen und lässt sich gerne füttern.

Die Fahrt entlang des Ufers ist steil und aussichtsreich. Es gibt sogar einen kleinen Jachthafen, der neben den vielen Motorbooten einige Segelyachten beherbergt. Von der steilen Küstenstraße hat man einen schönen Blick hinunter. Deutlich ist das gelbe schlammige Wasser zu erkennen, welches sich sternförmig in den dunkelblauen See ergießt. An einigen Stellen kann man weit über den See blicken. Die eigentliche Staumauer versteckt sich fast und erscheint uns, für die Größe des Damms, eher unscheinbar. Ein kleines Museum gibt uns Aufschluss über den Bau des Dammes und ihre Opfer Ende der Fünfziger Jahre. Hier an dieser Stelle wird der Sambesi gezähmt und fließt als schmaler Fluss weiter.

Einige Tage später begeben wir uns auf den nächsten Abschnitt unserer Reise. Am Vormittag schiffen wir uns in Kariba ein. Die kleine Fähre ist meistens ausgebucht, und nur mit einwenig Glück hatten wir in Harare noch zwei Tickets erstanden. Das rechteckige Boot besteht aus drei Stockwerken. Im Unteren ist Platz für bis zu 8 Pkws, das Mittlere besteht im hinteren Teil aus einem großen geschlossenen Allzweckraum mit kleinen Fenstern und im vorderen Teil aus einem teilüberdachten Promenadendeck. Das oberste Stockwerk besteht aus einer kleinen Kommandobrücke. Nach und nach treffen die unterschiedlichsten Reisenden auf der Fähre ein. Für 22 Std. werden wir vereint sein. Die älteren Personen begeben sich gleich in den großen geschlossenen Raum, der als Ess-, Aufenthalts- und später auch als Schlafraum dient und mit in Reihen aufgestellten Liegesitzen ausgestattet ist.

Zunächst geht die Fahrt vorbei an zahllosen kleinen Inseln, teils flach und nur karg bewachsen, teils hügelig mit Baumbestand. Vergeblich suchen wir mit unserem Fernglas nach wilden Tieren. Lediglich einige sehr schöne Reiher zeigen sich uns, und je mehr Zeit verstreicht desto öfter spielt uns die Phantasie einen Streich. Aus Steinen werden Flusspferde, aus treibenden Baumstämmen gefräßige Krokodile. Die gleißende Sonne spiegelt sich auf dem Wasser und so lehnen wir uns zurück und genießen die endlose Weite und die ruhige Fahrt.

Das Essen ist ‘very British’ und wird in Buffetform serviert. Für die Umstände ist es recht ordentlich. Nachmittags wird zudem Tee und Gebäck gereicht. Den betörend sanften Sonnenuntergang genießen wir auf der Terrasse bei einem Sundowner, einem ‘Cane, Lime and Lemonade’ dem weitere am späteren Abend folgen. Erst als es Zeit wird schlafen zu gegen, entschließen wir uns eine Matratze mit hinaus auf Deck zu nehmen, um unter dem aufregenden südlichen Sternenhimmel zu nächtigen. Eine leichte Brise sorgt in der Nacht dafür, dass einige Wasserspritzer von der Bordwand zu uns hinauf sprühen und sich über unsere Schlafsäcke verteilen, so dass ein Rückzug in die Mitte des Decks erforderlich wird
.

Kurz nach dem Frühstück erreichen wir unser Ziel Mlibizi. Eine sehr einfache betonierte steile Auffahrt, inmitten einer kargen menschenleeren Landschaft. Wir blicken nur einmal kurz zurück, dann verschwindet der See aus unserem Blickfeld und wir nehmen Kurs auf den ‘Mosi oa Tunya’, ‘den donnernden Rauch’.

Ein Neuseeländer bat uns bereits auf der Fähre ihn mitzunehmen und während der Fahrt, erzählt er uns einige amüsante Begebenheiten. Wir hatten in Kariba angenehm in einem Hotel gewohnt, er war auf dem städtischen Campingplatz von einem Elefanten aus seinem Zelt gejagt worden.

Bereits viele Kilometer bevor wir die Stadt erreichen, sehen wir ihn, den donnernden Rauch, den Dunstschleier der ‘Victoria Falls’.

Die Sonne steht jetzt am höchsten und wir begeben uns ohne Umwege sofort an den Wasserfall. Von Aussichtsplattform zu Aussichtsmulde, immer wieder eröffnet sich uns ein neuer aufregender Blick auf die tosenden Wassermassen, die in die überraschend schmale Schlucht stürzen. Wir gehen langsam von Mulde zu Plattform und immer häufiger kommen uns durchnässte Menschen entgegen. Es dauert nicht lange, bis auch wir immer mehr in die Sprühzone kommen und ganz langsam durchtränkt werden. Wieder entdecken wir ein weiteres, noch breiteres Fallstück. Aufbrausende Gischt und gewaltige Wassermassen, die auf einer Breite von 1,7 km, mehr als 100 m in die Tiefe hinabfallen. Zum greifen nah sehen wir auf einmal einen Regenbogen, dann erreichen wir die stählerne Brücke über den Sambesi, die Grenze zu Zambia. Völlig durchnässt kehren wir zum Parkplatz zurück.

In der Stadt spürt man sofort, hier blüht der Tourismus in vollen Zügen, ganz im Gegensatz zu den anderen Landesteilen Simbabwes. Viele Touristen fliegen direkt von Südafrika zu den Viktoriafällen und so bietet sich uns auf der Suche nach einem geeigneten Quartier für die Nacht eine große Auswahl an Hotels unterschiedlichster Kategorien. Viele der geschmackvollen afrikanischen Lodges haben 4-5 Sterne Charakter, sind jedoch recht kostspielig. Wir entscheiden uns für das im maurischen Stil erbaute ‘Rainbow’ Hotel und genießen das mediterrane Essen, planschen im Pool und nutzen die Poolbar.

Als der Abend naht, entschließen wir uns an einer Sundownercruise auf dem Sambesi teilzunehmen. Mit einem Glas Sekt in der Hand betrachten wir Flusspferde und Vögel und genießen die unbeschreibliche Ruhe der Abenddämmerung, nur wenige Kilometer entfernt vom tosenden Wasserfall.

Um Punkt 6.00 Uhr am Morgen stehen wir wieder an den Fällen, diesmal in der Nähe des Livingstone Denkmals, um den Sonnenaufgang mitzuerleben. Die meist geflüsterte Sprache an den Viktoria Fällen um diese Zeit ist Deutsch, wer auch sonst ist so verrückt genug, um 6.00 Uhr morgens an einem Wasserfall zu stehen. Wie auf einer Safari versuchen wir die Geräusche, welche die Natur gestaltet, unverfälscht wahrzunehmen. Einige Palmen im Hintergrund dienen als messbares Größenverhältnis dieses Naturwunders. Der aufsteigende Wasserdampf verwässert die Morgenröte, wie ein zartes Aquarell. Erst als der Sonnenball hinter den tosenden, im Schatten liegenden Wogen aufgeht, wird der Wasserdampf über uns rot erleuchtet.

Nach dem Frühstück besuchen wir das Freilicht Museum, das einen ansehnlichen Überblick über die verschiedenen Stämme des Landes dokumentiert und kehren dann wieder ins Hotel zurück. Am Abend stehen wir noch einmal am Wasserfall, durchnässt entstehen mit Mühe und Not noch einige Fotos vom schillernden Regenbogen, dann sagen wir Adieu.



Am nächsten Morgen führt uns der Weg in die Wildnis des Wankie bzw. Hwange-Nationalparks. Ein 14.650 qkm großes Wildschutzgebiet.


Die Straßen sind schlecht und mit unserem kleinen Wagen kaum befahrbar. In den ersten Stunden sehen wir zunächst gar nichts, dann ist uns das Glück holt. Erst springen drei Wasserböcke an uns vorbei, dann wandern unbekümmert vier Giraffen vor uns her.
Am Mandavu Dam steht ein vortrefflicher strohgedeckten Ausguck, von dem wir Krokodile, Wasservögel und einen Kudu beobachten.

Kurz vor dem ersten Camp, posiert eine ‘Warthog’ Familie für unsere Kameras. In den ersten fünf Stunden treffen wir auf kein einziges Auto und sehen nur wenig Tiere.

Im Sinamatella Camp machen wir halt für die Nacht. Das Camp ist relativ ruhig und so versuchen wir, bei einem Spaziergang nach dem Abendessen, unsere Sinne auf die Wildnis einzustellen. Die Geräusche der Tiere, die durch das Gehölz dringen sind vielfältig, teilweise klingt das Jaulen der Hyänen wie ein Lachen, teils das facettenreiche Gezwitscher der Vögel wie eine Party. Teils unheimlich, manchmal bedrohlich, jedoch einzigartig ertönen die Geräusche der Wildnis in der Nacht.

Bereits um 6.00 Uhr am nächsten Morgen sind wir wieder auf der Pirsch. Wir haben das Gefühl erneut glücklos zu sein, als sich plötzlich eine Elefantenherde vor uns über die Straße begibt. In Sichtweite befindet sich ein Wasserloch. Wir stellen uns mit dem Wagen an den Straßenrand und beobachten ihr Treiben. Eine halbe Stunde suhlen sich die großen Kolosse im schlammigen Wasser. Dann machen sie sich auf den Rückzug. Zwei Bullen kommen sich dabei in die Haare, und uns beim Streiten bedrohlich nah. Was wäre wenn, schießt durch unsere Köpfe. Die Elefanten kommen immer näher. Wir wagen kaum zu atmen. 10 Meter sind sie nur noch vom Wagen entfernt, dann machen sie zum Glück einen Rückzug ins dichte Gestrüpp. Sie scheinen uns gar nicht bemerkt zu haben. Nur langsam löst sich die Anspannung und wir fahren langsam weiter. Nur wenige Tiere zeigen sich in der Mittagshitze. Je näher wir am Nachmittag dem Main Camp kommen, desto mehr Tiere stellen sich ein. Ganz gegen unsere Erwartungen. Wir betrachten eine Herde Paviane, welche die Straße bevölkert. Ein alter Pavian bleibt stehen und blickt uns missbilligend, mit seinen orange-leuchtenden Augen, an. Kurz darauf sehen wir Zebras und Gnus, die interessiert in unsere Richtung blicken.

Kurz vor Sonnenuntergang erreichen wir einen hölzernen Aussichtsturm, vor dem bereits drei Autos parken. Wir steigen hinauf und erleben ein unvergessliches Schauspiel. Zwei Krokodile liegen am Ufer eines kleinen Sees. Zunächst trottet eine Giraffe geradewegs auf das Wasser zu, die den zwei Krokodilen bedrohlich nahe kommt. Als es angekommen ist, spreizt es seine Vorderbeine so sehr, dass es aussieht als würde es sich verrenken und erst jetzt kann es mit dem Maul das Wasser erreichen. Kurz darauf kommt eine Hyäne dazu, den Kopf schelmisch nach unten gewendet schnüffelt sie ständig am Boden. Sie geht erschreckend nah an das Krokodil heran, wohl in der Absicht festzustellen, ob das Krokodil Reste hinterlassen hat. Hinzu kommt ein Kudubulle der zunächst die Lage prüft, um dann seinen drei im Gebüsch wartenden Gefährtinnen ein Zeichen zu geben. Kaum sind die Kudus weg, kommen einige Büffel zum Trinken, und in der Entfernung entdecken wir zwei Nashörner. Die anderen Personen auf dem Stand haben eine abendliche Sondergenehmigung und sind mit einem Führer da. Wir schließen uns kurzerhand an und erleben nach Sonnenuntergang eine aufregende Darbietung. Eine Herde Elefanten rückt an und alle anderen Tiere ziehen sich zurück. Geräuschvoll planschen sie ausgiebig im Wasser. Sie prusten und tröten, schnaufen und trampeln. Sie spielen geradezu mit dem warmen Nass und lassen sich durch uns nicht stören.

Erst nachdem der letzte Elefant wieder im Gebüsch verschwunden ist, machen wir uns im Konvoi auf den Weg ins Main Camp. Zwei Kilometer vor dem Camp treffen wir auf eine Herde Löwen, die aufgeregt um die Autos wandern. Die Nacht ist tief-dunkel und im Scheinwerferlicht leuchten ihre Augen geradezu bedrohlich. Im Camp angekommen ist es für eine Hüttenanmietung zu spät. Da das Camp jedoch nur halb eingezäunt ist, lehnen wir eine Einladung in einem Zelt zu übernachten ab. Wir entschließen uns statt dessen im Auto zu schlafen. Für eine Nacht im Zelt hatten wir unter diesen Umständen nicht den nötigen Mut.

Ein Wasserbock, eine Herde Paviane und mehrere Impalas sind die letzten Eindrücke die wir am nächsten Morgen bei unserer Rückfahrt aus dem Park mitnehmen. Über Bulawayo geht es in einer weiteren Tagestour zurück nach Südafrika.

Kurz hinter der Grenze nehmen wir uns ein Zimmer und genießen ein himmlisches Abendessen. Bei einem Glas südafrikanischem Rotwein, versuchen wir unsere Eindrücke ein wenig zu sammeln. Viele atemberaubende und unbeschreibliche Erlebnisse haben unser Leben bereichert.


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