Chris Art & Travel


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Kreuzfahrt

Reiseerzählung




24-Stunden auf einem Kreuzfahrtschiff


Mit einem Ruck öffnete die Schiebetür und ich betrat den Balkon meiner Panorama-Balkonkabine auf Deck 12. Die kühle Meeresbrise und der herrliche Blick auf die Schären war unvergleichlich. Es war kurz vor 6.00 Uhr, Zeit für das erste Frühstück, für mich den Frühaufsteher.

Das Pool Deck war menschenleer. Die meisten Liegestühle waren noch hochgestapelt und mit Seilen festgezurrt. Das Personal war dabei die Böden zu reinigen. Die Luft war klar und belebend. Der weite Blick von Steuerbord vorbei am Schornstein hinüber nach Backbord war so schön und befreiend wie an jedem Morgen. Das Wasser im Pool plätscherte geräuschvoll hin und her. Ich zog meine Kapuze über den Kopf und ging würdevoll Schritt für Schritt über das nasse Deck, und langsam Stufe um Stufe hinunter auf Deck 11 und betrat den California Grill.

Wie an jedem Morgen war der kleine Raum angenehm warm und von frischem Kaffeeduft umhüllt. Nur zwei weitere Gäste saßen bereits an den dunklen Holztischen und genossen ruhig ihren ersten Kaffee. Ein Kellner kam hinzu und grüßte mich freundlich. Das Personal kannte mich bereits und war froh, das ihr frühes aufstehen gewürdigt wurde.

Ich nahm mir wie an jeden morgen zwei kleine Blätterteigteilchen und goss mir einen Kaffee in einen weißen Porzellanbecher. Am Glas des Fensters tropfte der morgendliche Tau sanft die Scheiben hinunter. In der Ferne sah man schemenhaft wenige Lichter brennen und runde Felsen waren sanft ins Meer getaucht.

Nach einer halben Stunde nahm ich die Treppe hinunter auf Deck 9.
Das riesige Schiff lag mir zu Füßen, das ehrwürdige Gefühl sich allein, nur mit einigen Reinigungskräften durch die menschenleeren Decks zu bewegen war unbeschreiblich. Ein Ritual das ich jeden Morgen voller Erhabenheit genoss. Es schenkte mir Kraft und jene besonderen Momente die unvergesslich bleiben.

Ich flanierte vorbei an den noch geschlossen Shops, betrachtete die ausgefallenen schönen Bilder entlang der Galeriewand, bis ich das beeindruckende völlig leere Theatrium erreichte.
Die wohlige Wärme und der flauschige Teppich der jeden meiner Schritte dämpfte, lag im völligen Kontrast zu dem Blick durch das ganze Schiff von rechts bis nach links hinaus auf das kühle dunkle nass und die raue peitschende Gischt.

Während das Schiff ruhig durch die traumhafte Schärenlandschaft dem Hafen entgegen fuhr, ging ich zurück in meine Kabine. Kurz vor 7.00 Uhr trat ich auf meinem Balkon und beobachtete wie die wunderschöne Hafenstadt Bergen immer näher kam und fotografierte das beeindruckende Geschehen beim Anlegen. Dann war es Zeit sich für das Frühstück umzuziehen. Ich brauchte fast fünf Minuten bis zur Kabine meiner Mutter auf der anderen Seite des Schiffes. Um Punkt 8.00 Uhr kloppte ich an ihre Kabinentür. Sie öffnete
langsam und fast geräuschlos die schwere Tür und umarmte mich.

Als wir den Lift betraten und auf die 10 drückten wünschten uns einige Gäste mit einem Schmunzeln einen Guten Morgen. Unser Lieblingsplatz im kleinen Nebenraum im Bella Donna war noch nicht belegt und so setzten wir uns wie jedem Morgen an den zweiten Tisch am Fenster. Unser Keller Jonny brachte uns mit einem herzlichen Lächeln eine silberne Isolierkanne Kaffee und goss uns die erste Tasse ein.

Ich ging wie immer als erstes zum Buffet, schlenderte vorbei an den vielen Leckereien und ließ mir vom Anblick der verschiedenen Speisen den Appetit anregen.

Ich entschied mich für ein englisches Frühstück. Legte mir eine Scheibe Toast auf den großen weißen Teller und kleckste mir mit dem großen Löffel Rührei obendrauf, dazu nahm ich mir Bacon, eine Sausage und eine gebratene Tomate und ging zurück zum Tisch. Danach holte ich mir frisches Obst, einen Croissant und leckere Orangenmarmelade. Meine Mutter folgte meinem Beispiel.

Nach unserem ausgiebigem Frühstück fuhren wir mit dem Lift wieder hinunter zu ihrer Kabine auf Deck 4. Ein weiterer ganz großer Tag lag vor uns.

Zurück in meiner Kabine begann das tägliche Ritual mit dem Blick in den Kleiderschrank. Das Bordprogramm sagte wechselhafte 14-16 Grad Celsius voraus. Was ziehe ich also an. Schon zweimal waren wir falsch angezogen gewesen, die dichten Wolken hatten sich gelichtet und die dicke Winterjacke war hinderlich geworden.

Als ich den Safe öffnete, um meine Brieftasche herauszunehmen, sah ich zum Glück noch rechtzeitig die Norwegischen Geldscheine im Safe liegen. Natürlich, ein neues Land, eine andere Sprache und eine andere Währung. Ich zupfte den übriggebliebenen schottischen 5 Pfundschein mit dem Konterfei Sir Walter Scotts aus der Brieftasche und packte 200 Norwegische Kronen hinein.


Es dauerte eine Weile bis ich alles Nötige für den Landgang eingepackt hatte. Zuletzt nahm ich noch meine Bordkarte und fuhr mit dem angenehm schnellen gläsernen Lift hinunter auf Deck 4. Ein reges Treiben herrschte in den Gängen und vielen war die Vorfreude auf den Landgang in dieser fantastischen Stadt ins Gesicht geschrieben.

Nachdem wir unsere Bordkarte am Ausgang an Bord vorgezeigt hatten, gingen wir langsam die Treppe hinunter und betraten Norwegischen Boden. Wir hielten kurz an und lächelten in die Kameras des AIDA Fototeams und dann begann unser Landgang durch die märchenhafte Stadt Bergen.


Wir schlenderten durch die engen Gassen des mystischen Altstadtviertels, aßen auf dem berühmten Fischmarkt ein leckeres Fischsandwich und gingen dann den Hügel hinauf zur Station der Floy-Bahn. Die Schlange war sehr lang, aber einige andere Touristen meinten, es geht schneller als man denkt und es lohnt auf jeden Fall. Als wir eine Viertelstunde später in der gläsernen Bahn den steilen Berg Floyen hinauf fuhren, war das Warten längst vergessen. Der Blick der sich von oben über die Stadt und seine verzweigte Fjordlandschaft erstreckte war atemberaubend und unvergesslich.

Auf dem Rückweg zum Schiff nahmen wir uns Zeit um uns in einigen Geschäften nach schönen Souvenirs umzusehen. Die kleinen Shops waren gefüllt mit geschmackvollen norwegischen Pullovern, wunderbaren großartigen Troll Figuren und ausgefallenen Fellmützen.

Um viele imposante Eindrücke reicher gingen wir abgespannt und hungrig gegen 15.00 Uhr zurück an Bord. Da in den großen Restaurants kein Mittagessen mehr serviert wurde und wir keinen Appetit auf Kaffee und Kuchen hatten entschieden wir, uns eine Viertelstunde später im kleinen charmanten California Grill zum Essen zu treffen.

Vorher gingen wir zurück auf unsere Kabinen. Ich warf meine Jacke und meinen Rucksack auf den Stuhl, verstaute meine Brieftasche wieder im Safe, und war pünktlich zurück am Eingang des Restaurants wo mich meine Mutter bereits erwartete.

Wir bestellten uns einen Chickenburger und setzten uns erschöpft an eine der langen hölzernen Tische. Wir griffen uns ein Besteck vom Besteckständer und gossen uns eine Weinschorle aus den auf dem Tisch stehenden gläsernen Karaffen ein. Der Blick durch das Fenster vom Deck 11 auf die kleinen hölzernen Häuschen an den Hügeln der Stadt und auf ein vor uns liegendes Kreuzfahrtschiff war einfach herrlich.

Erholt und gestärkt gingen wir vom California Grill hinaus auf das untere Pool Deck und ließen unsere Blicke schweifen. Das Deck hatte sich in der Zwischenzeit mit vielen Sonnenhungrigen auf Liegestühlen gefüllt. Eine kurze Zeit später liefen wir wieder hinein ins Schiff und machten uns auf den Weg zum Bug des Schiffes. Wir spazierten vorbei am Theatrium, die Treppe hinunter auf Deck 10 und durch die Aida Lounge bis zur Bibliothek.

Wir setzten uns an eine der kleinen Tische und bestellten uns, wie an jedem Nachmittag einen alkoholfreien Cocktail, nahmen uns einen Spielebecher und spielten Kniffel. Die Ruhe hier vorn mit dem schönen Ausblick durch das gläserne Panoramafenster auf die Stadt war unbeschreiblich schön. Von hier sahen wir noch einmal auf die malerische Stadt und den Berg Floyen, auf dem wir noch 3 Stunden zuvor gestanden hatten und ließen die vielen schönen Eindrücke erneut auf uns wirken. Nach und nach füllte sich die Aida Lounge merklich, denn es hieß alle Mann an Bord um 17.30 Uhr.

Für das besondere Highlight des Abends nahmen wir rechtzeitig in einer der Strandkörbe auf dem oberen Pool Deck Platz. Wir hüllten uns in unsere flauschigen gelben Decken und erwarten mit Spannung die abendliche Zeremonie der Auslaufparade. Gegen 18.00 Uhr ertönte über die Lautsprecher die Stimme Enyas. Langsam verließ das Schiff mit den Klängen ‚Sail Away’ den Hafen. Die Musik war weit bis an Land zu hören und einige begeistere Zuschauer winkten uns zum Abschied.

Es war wie immer ein besonderes und einzigartiges Erlebnis, das die Gäste an Bord mit einem großen Lächeln und einem ungewöhnlichem Kribbeln im Bauch verfolgten. Eine großartige Erfahrung, wie das letzte Ziel majestätisch am Horizont verschwindet.

Nun war es Zeit fürs Abendessen. Wir gingen in unsere Kabinen und zogen uns erneut um. Ich entschied mich, um in meiner leichten Bekleidung nicht über das Außendeck zu müssen, gleich die Treppe hinunter auf Deck 10 zu nehmen. Ich ging vorbei am Theatrium wo einige Gäste dem Vortrag über Stavanger lauschten, der Hafen den wir in 2 Tagen anlaufen werden. Ich ging durch das angenehme Brauhaus und gelangte so zum zweiten Treppenaufgang.

Nur noch eine Treppe nach oben und ich erreichte den Eingang des East Restaurants. Ich blickte auf die Ruhe vermittelnden goldenen Buddha Figuren am Eingang und freute mich auf das Essen nach einem Tag voller besonderer Momente. Meine Mutter kam wie immer mit dem Lift hinauf auf den Deck 11. Wir setzten uns an einer der Tische am Fenster und bestellten uns einen Weißwein.

Das asiatische Buffet ließ keine Wünsche offen. Und so genossen wir das leckere Essen und das darauffolgende Gespräch mit unseren Tischnachbarn, die uns von ihrer letzten Mittelmeer-Kreuzfahrt und lauschig warmen Sommerabenden berichteten, während wir nach draußen auf die kalte Nordsee blickten.

Gegen 20.30 Uhr verabschiedete ich meine Mutter und ging zurück auf meine Kabine. Ich schaute mir meine eindrucksvollen aufgenommen Bilder in Ruhe an, stellte mich unter die warme Dusche und hüllte mich in meinen frisch duftenden, viel zu großen Bademantel.

Ich goss mir ein Glas Mineralwasser ein und stellte mich ans Fenster. Die Balkonstühle waren nass und der stürmische Nordwestwind sang ein pfeifendes Lied, durch die nur einen Spalt geöffnete Balkontür.

Der Blick hinaus über das weite Meer, über wogend sanfte glitzernde Wellen, war wie immer wunderschön und obwohl es windig, war der hohe Seegang kaum merklich.

Mit einem Ruck schloss ich die Schiebetür, legte mich Schlafen und träumte bis zum Sonnenaufgang, von mystischen Trollen, die auf Dudelsäcken spielten und zwischendurch genüsslich einen Café au lait schlürften.

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